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2. – 3. juli 2010: die 100 km der ulmer laufnacht.

Eingetragen von auf Juli 4, 2010 – 5:15 pm2 Kommentare

Es ist mir ein organisatorisches Rätsel, wie man einen Laufgiganten wie die Ulmer Laufnacht auf die Beine stellt. Für Bernd Hummel und seine zahlreichen Helfer sieht das glücklicherweise ganz anders aus.

Gegen 21 h herrscht rund um das Blausteiner Stadion reges Treiben. Startunterlagen besorgen, alte und neue Bekanntschaften pflegen, finalem Briefing lauschen, die Ausrüstung für die Nacht checken: Funktioniert die Stirnlampe? Sind empfindliche Stellen eingefettet oder abgeklebt? Passt das gewählte Shirt farblich zu den Laufsocken? Die Prioritätensetzung für eine Unternehmung, welche in den seltensten Fällen bereits nach 10 Stunden abgeschlossen sein wird, ist sehr individuell.

Eine Stunde vor Start erklärt uns Bernd Hummel den Streckenverlauf und die idiotensichere Markierungsmethode. Oranges Bändchen rechts, gelbes Bändchen links; wenn Du unterwegs anderer Meinung bist, gefährdest Du als Geisterläufer den Ultraverkehr.

01_bernderklaert

02_zuhoerer

Gegen 22:40 h gehe ich zum Start und schaue mir die Balonglüher an. Anschließend gibt es Feuerwerk zu cineastischen Blockbustermelodien. Ehrlich gesagt ist das nicht so mein Ding, da bin ich mit meinem Hund (… für den es dieses Jahr für die Begleitung leider zu warm war) ausnahmsweise mal ganz einer Meinung.

03_ballongluehen

04_feuerwerk

Auf der Hinfahrt hatte ich mir noch mit Superchunk´s “Detroit has a skyline, too” einen großartigen Ohrwurm gesetzt. Dieser wurde vom offiziellen Start-Song “Hell´s Bells” vorerst zunichte gemacht.

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Mit lautem Tamtam werden wir aus dem Stadion verabschiedet und ich freue mich auf die ländliche Nachtruhe. Schon nach wenigen Kilometern geht es den feldweglichen Hügel nach oben, es riecht nach Gräser und nach Heu. Ich mache keinen Versuch, diese Atmosphäre bildlich einzufangen. Meine Kamera ist für nächtliche Aufnahmen leider nicht die erste Wahl; verschwitzte und dank Melkfett schmierige Hände lassen die Knipsmotivation weiter nach unten fallen.

Irgendwann höre ich ein “Bernd?” neben mir. Es ist Ulli aus der Chiemgauer Region, er hat mich am T-Shirt erkannt. Ich habe die richtige Kleiderwahl getroffen. Wir kommen ins plaudern und die Kilometer fliegen nur so unter uns weg.

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Im Stadion Erbach ist für einige Staffelläufer der Abend schon gelaufen. Wir laufen zum gut ausgerüsteten Verpflegungsstand (in dieser Hinsicht setzt Ulm für mein Empfinden Maßstäbe) und wieder hinein in die Nacht.

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Der wellige Kurs ist sicherlich nicht der einfachste und wir hätten uns vielleicht auch etwas mehr Zeit lassen sollen. Unsere Durschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwas über 10 km/h, sodass wir nur knapp einen unter-4-h-Marathon verfehlen.

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Schön liegt der Verpflegungsstand inmitten des Klosterhofes Wiblingen. Der nächste Kilometer schlängelt sich durch den finsteren Klostergarten. Definitiv ein weiteres atmosphärisches Highlight, vor allem wenn man auf alte Gruselschloss-Filme abfährt.

Auf der nun folgenden Sprintstrecke entlang der Iller und der Donau machen uns Beine und Kreislauf klar, dass wir uns einen Tick überhalb des Wohlfühltempos befinden. Die Kilometerabschnitte, welche alle 5 km mit einem Schild ausgewiesen sind, werden (gefühlt) immer länger.

Gegen 3:44 h erreichen Ulli und ich mit km 50 das Ulmer Donau-Stadion. Die Verpflegungsstelle und das Zwischenzeit-Tor gehen in dieser grell beleuchteten und riesigen Arena fast unter.

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Thomas Miksch steht in Wärmeschutzhülle eingewickelt da und nimmt lächelnd hin, dass er heute verletzungsbedingt seine Favoritenrolle abgeben musste. “Du schaust doch noch fit aus, Bernd, lauf los, wir bauen auf Dich!” Erstmal gilt es, die Vorzüge dieser all-you-can-eat-Veranstaltung auszukosten. Ich merke, dass ich nicht mehr genügend Wasser trinken kann. Bei dem Gedanken, einen zweiten Becher zu leeren, wird mir übel. Das gefällt mir gar nicht.

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Als ich mich wieder in den Startlöchern für Kilometer 50+ befinde, will Ulli sich nochmal über das Buffet hermachen. So trennen sich unsere Wege. Den Großteil der Nacht habe ich mit Ulli verbracht und es war sehr schön. Doch jetzt heisst es Abschied nehmen. Klingt super.

Der nächste Verpflegungsstand wartet bei Kilometer 56 mit Getränken. Ich bin an der begradigten Donau und mir wird ein bisschen schlecht. Wir haben Anfang Juli und  das Thermometer fällt auch Nachts kaum unter 17 Grad. Ich merke, dass ich den Flüssigkeitshaushalt nicht führen kann. Wasser, Cola, Iso, … Rien ne va plus.

Einige schier endlose und relativ langsam gelaufene Kilometer später biegt die Route von der Donau nach Norden ab Richtung Elchingen. Den letzten Schliff für den schwer angeschlagenen Kreislauf verpasst mir die Napoleonrampe, über die ich im Training noch mit einem Fuß gespurtet wäre. Passenderweise geht es oben angekommen auch noch durch den Friedhof. Ich denke erstmals ans Aufgeben. Die Schuhe ins Korn werfen, sozusagen.

Gleich nach dem Friedhof gibt es einen Verpflegungsstand, an dem ich mit “Wo ist denn Dein Hund vom letzten Jahr?” empfangen werde. Was für ein HundeElefantengedächtnis.

Ich streichle meine biologische Uhr mit einem gemütlichen Frühstück: Kaffee mit viel Zucker, 2 Stück Kuchen, zur Krönung ein alkoholfreies Bier. Oha, jetzt geht sogar noch ein halber Becher Wasser ´rein! Ich glaube, das waren gut investierte 15 Minuten Auszeit.

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Dachte ich mal an´s Aufgeben? Kann nicht sein. Der Weg schlängelt sich wunderschön wellig nach Kesselbronn und weiter zu Kilometer 70. Über zwei Drittel sind schon vorbei und irgendwie ist das doch schade. Wie alkoholfrei das Bier war, lässt sich jetzt nicht mehr feststellen.

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Eine schnurgerade Parallelstraße zur Autobahn sorgt für den nötigen Umweg, um die Gesamtstrecke auf 100 Kilometer zu dehnen. Es gibt nichts, was das Auge ablenkt. Ich mag sowas.

In Jungingen wird man verwöhnt. Die längste Theke der Ultraszene und unzählige Helfer sorgen für leuchtende Läuferaugen. Kerkis, mein Begleiter von 2009, wird wieder mal vermisst. Ich würde ihn nach diesem Ultra auch sehr vermissen: wenn es bis zum Ziel über 30 Grad heiss wird, wäre es höchstwahrscheinlich sein letzter Lauf gewesen.

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Auf dem Weg zum nächsten Highlight, der Wilhelmsburg, unterquert man eine Hauptstraße und biegt danach 90 Grad links ab. Es geht nach oben: die Straße wird für einige 100 Meter zum kleinen Wadenbeisser. Dann ist es nicht mehr weit zur Wilhelmsburg. An der Verpflegungsstelle wird wieder kräftig getankt: Wasser, alkoholfreies Bier, Salzkartoffeln, Kuchen, … toll, was so ein Ultramagen (wieder) alles wegstecken kann.

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Entweder wurden nach der Wilhelmsburg ein paar Höhenmeter aus der Vorjahresstrecke gestrichen oder ich bin mittlerweile besser trainiert. Natürlich hoffe ich, dass Punkt 2 zutrifft. Die Achterbahn schlängelt sich durch neckische Pfade weiter Richtung Lehr. Kurz nach Kilometer 85 erwartet mich die Mördersenke. Dieser Begriff tauchte meines Wissens nach erstmal hier auf und hat sich mittlerweile richtig etabliert.

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Wir laufen durch sonnenverwöhntes Militärgebiet. Wanderer, welche heute bis zum späten Nachmittag unterwegs sein werden, können uns sicherlich heisses Lied davon trällern. Ich steuere locker auf eine Zielzeit von knapp unter 11 Stunden zu und es geht mir erstaunlich gut. Mein Wohlfühltempo hat sich bei 9 – 10 km/h eingependelt. Auf ebenen Abschnitten, welche mittlerweile rar geworden sind, etwas mehr.

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Die letzten Kilometer vergehen fast wie im Flug. Im Kiesental sorgen kurze steile Ab- und Aufstiege für eine Lockerung der Muskulatur, sodass nach 10 Stunden und 45 Minuten einem schwungvollen Zieleinlauf im Stadion Blaustein nichts entgegen steht. Vielen Dank an mein Empfangskomitee &  Abholservice, und an das Restaurant Mödinger für die letzte und leckere Stärkung vor dem Start!

Hier geht´s zur Homepage der Ulmer Nacht

2 Kommentare »

  • Micha sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen 100 km-Lauf in Ulm.

    Die Strecke ist aufgrund des Profils – insbesondere in der zweiten Hälfte – im Vergleich zu anderen 100 km-Läufen mit 900 m Höhenunterschied fordernd.

    Ich habe in etwa die gesamte Laufzeit ausgenutzt und kann bestätigen, dass am Nachmittag die Sonne regelrecht brannte. Gottlob verspürte man auf den Höhenzügen meist einen lauen Wind, musste sich aber tatsächlich regelrecht zwingen an den improvisierten Wasserstellen das mitunter lauwarme Wasser zu trinken.

    Aber es gilt wie immer: “Der Schmerz geht – der Erfolg bleibt”!

  • Walter sagt:

    Hallo Bernd,

    ja, so ein 100´er und besonders so einer mit ein paar Höhenmeterchen und das bei dem Schweißwetter ist schon ein neckisches Erlebnis. Wenn´s danach a´ bissrl an den Haxen zwirlt, kann man (auch Frau) so richtig zufrieden sein.
    Etwa 1/3 der Starter haben das Zielbier nicht zu fassen bekommen, schon das zeigt, was für ein Ultra-Hund du bist.
    Apropos Hund, den (oder die Hunde) haben viele vermisst, ich auch.

    Mein Glückwunsch fürs Zielbier und den liebevollen Bericht. Erhol dich gut

    Walter

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