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das schlittenhundewagenrennen auf scherneck aus canicross-perspektive, 13. + 14.11.2010

Eingetragen von auf November 15, 2010 – 10:26 pm10 Kommentare

Dieser Artikel handelt überwiegend von einer Sport-Disziplin namens Canicross.

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Canicross ist keine Randsportart!

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Canicross ist die finstere Ecke der Besenkammer im zweiten Untergeschoss eines verschütteten Bautrakts einer Randsportart.

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Je nach Austragungsort und Tagestemperatur schwankt die zu bewältigende Distanz im »Gassigehen gegen die Uhrzeit« zwischen 3 und 6 Kilometern. Zu viel, um mal eben durchgespurtet werden zu können. Zu wenig, um im gemütlichen Marathontempo durchzuschlurfen, ohne Vermissten-Suchtrupps auf den Plan zu rufen.

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Meine Vorbereitung zu diesem Event lief eigentlich alles andere als erfolgsversprechend. Veranstaltungen wie der 100-Meilen-Berglauf durch die Chiemgauer Alpen erforderten mehrstündige Laufeinheiten in einem Tempo, in dem man von Nordic-Walkern als Hindernis eingestuft wird. Also: ganz anderer Film.

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Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Die Creme de la Creme der Canicrossler Süddeutschlands hat die Laufschuhe geschnürt und steht in der Starterliste. Samstags und Sonntags tritt man mit- und gegeneinander an, um die Bayerische Meisterschaft untereinander auszutragen.

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Das Wetter ist manchmal komisch, auch wenn diesen Humor die Veranstalter nicht immer teilen können. Wann hatte es zuletzt über 15 Grad und Sonnenschein? Lange her, aber pünktlich für die Wintersportler (Wagenrennen sind für viele Musher eine willkommene Trainingseinheit für die Schneesaison) an diesem Wochenende wieder lieferbar. Die Samstagswertung fällt ins (Schwitz-)Wasser, nur mal eben warm(-haha-)laufen. Oder Muckis zeigen und schauen, was so “geht”. Für Canicross-Hunde ist das auch kaum ein Problem. Das Tempo bestimmt der Langsamere des Teams und das ist laut Statistik zu 99,4 % der Hundehalter(/bremser), nicht sein(e) Hund(e). Im Ziel, nur gut 3 km weiter, wartet der Napf, der Tee, das Festbier. Je nachdem.

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Turbo-Rainer muss eine Minute vor mir starten. Das finde ich super. Einen talentierteren Hasen könnte ich mir gar nicht wünschen.

Die Prinzessin schreit wie am Spieß, selbst die Shopping-Queen, unser Quotenhusky, steigt mit ein. Mittlerweile muss ich schon von zwei DoghandlerInnen an den Start begleitet werden. Die Aufmerksamkeit des Publikums haben wir voll auf unserer Seite. Nichts wie weg.

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Turbo-Rainer legt ein namenswürdiges Tempo vor. Von ihm ist nichts mehr zu sehen. Ich bekomme kaum noch Luft aufgrund der Bremskraft, die ich einsetzen muss. Direkt nach dem Start sind zwei unkontrollierte HS (Hundestärken) definitiv kein Vorteil.

Es geht am Waldrand entlang, dann ein bisschen nach oben, links auf den Teerweg, nach 10 Metern wieder rechts hinunter in den Wald. Als ich hier vor Tagen unterwegs war hatte ich Angst, meine Schuhe im Schlamm zu verlieren. Heute waren nur noch ein paar Pfützen übrig geblieben, die man aus optischen Gründen (Erhöhung des Verwegenheitsfaktors beim Zieleinlauf) gerne mitnimmt.

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Im schönen herbstlich-bunten Wald erinnert sich die Shopping-Queen an ihr Flaniertempo. Es geht ein bisschen nach oben und Prinzessin muss allein arbeiten. An der letzten Kurve vor dem Hügel stehen Streckenposten, und die Shopping-Queen erwacht wieder aus ihrer Glamourtraumwelt. Glück gehabt.

Der Hügel ist nicht einfach, aber es ist der einzigste. Oben am Hirsefeld (danke, Moni) angekommen sehe ich bald schon Sam und Turbo-Rainer. Der Abstand ist nicht gerade gering. Aber in der Rolle des Jägers fühlen sich meine beiden HS (jetzt definitiv ein Vorteil) sehr wohl und ich komme mit nahezu gleicher Zielzeit zu meinem Napf, Tee, Festbier. Je nachdem.

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»Haste mal nen Euro?«

Am Sonntag ging es um die Wurst. Jedenfalls wurde ich vom Start-Moderator gefragt, ob ich heute schon eine gefrühstückt hätte. Das ist für einen Vegetarier immer eine ganz schwierige Frage. Den ökologisch-ethischen Zeigefinger lässt man besser in der imaginären Hosentasche. Ein Sommer-Laufhöschen hat sowas ja nicht. Wieder darf Turbo-Rainer 1 Minute vor mir auf die Strecke. Und da es heute um eine Wurst geht, die selbst ich mir gerne umhängen würde (= Bayerische Meisterschaft), bleibt auf den gut 3 Kilometern sicherlich keine Zeit für Extreme-Mushroom-Searching!

Rainer läuft los oder hebt ab. Jedenfalls irgendwas dazwischen. Prinzessin kreischt. Denn Opa wartet im Ziel mit lecker Würstchen. Schon wieder dieses Wort. Meine DoghandlerInnen sind gut beschäftigt; für sie ist es sicherlich eine verdammt lange Minute. Ich überlege kurz, ob ich die letzten Sekunden vor dem Start mit einem Plausch an der Bande überbrücken soll. Nein, besser nicht, das gäbe eventuell Unmut im Lenny-Racing-Team.

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Es geht los. Prinzessin von Sinnen zieht keifend zu weit nach links, wenn man die Ideallinie im Focus behalten will. Wertvolle Hundertstel gehen verloren, heiliger Laufschuh!, und das schon in den ersten 10 Sekunden des Rennens! Einem Sam würde sowas nicht passieren.

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Wir rennen durch den Wald und wenigstens einer von uns Dreien bekommt kaum noch Luft. Tempo raus, was solls, mit Würde und nicht allzu glänzender Nase ins Ziel zu kommen ist doch auch schön. Die herbstliche Brise genießen…

… doch dann passiert das Unfassbare: Usain Bolt springt aus den Büschen, schreit mir ein »C´m on ´n´catch me, Honky!« entgegen, sein Luftsog zieht mich im 3er Schnitt den Hügel nach oben: Mr. Blackdog hat sein Versprechen auf einen hochwertigen Hasen eingehalten! Tom musste sicherlich seine Kaffeekasse dafür plündern. Danke-danke-danke.

Naja, wäre sicherlich schön gewesen. In Wirklichkeit kommt dieser Effekt mit Sichtkontakt auf Turbo-Rainer zustande. Ich sehe, dass die Leine zu Sam durchhängt und die beiden maximal nur noch eine halbe Minute Vorsprung haben. Wenn die Beine nicht mehr können, läuft der Kopf weiter. Ich betätige entsprechenden Schalter und renne mit zwei HS (Vorteil, definitiv!) nach oben.

Mir scheint als wären Rainer & Sam wieder gut im Geschäft. Aber ich lasse mich nicht abschütteln. Reserven anzapfen, wo keine mehr sind. Für ein paar 100 Meter geht sowas gut. Rainer ist im Ziel, ich bin im Ziel, will gleich zu Rainer, (Kerkis will nur Opas Würstchen,) aber ich muss erstmal auf den Boden. Oh wie schön ist es, nach 100 Kilometern grinsend ins Ziel zu laufen. Diese Kurzstreckenrasereien lassen die wahren Laufjuwelen wieder strahlen.

Ich atme die wertvollen Mineralien des Bodens ein und Rainer serviert mir eine Tasse Tee zum runterspülen. Ich werde mich noch am kommenden Wochenende in Lauf beim Bayerncup und/oder bei den Deutschen Meisterschaften in Reisenbach, eine Woche darauf, revanchieren können – das ist sicher. Bei letzteren darf ich (lt. Rennregeln) mit nur 1 HS antreten. Ich werde gnadenlos untergehen; seltsamerweise freue ich mich drauf! Wir schenken uns nichts und haben unseren Spaß dabei.

Die gelaufenen Zeiten sind durch die Bank gewaltig. Sehr stark auch Wolfgang Grolig, der es am Wertungstag auf den 2. Platz geschafft hat. Aber auch Wolf-Dieter, der straight die Strecke in weit weniger als 14 min durchrennt und sicherlich zäh genug ist, um alle 6 Wettkämpfe der Deutschen Meisterschaft abzuhaken. Bei den Frauen machte Gisela König mit Abstand (15:23) das Rennen, gefolgt von Sonja Grolig, Ines “es gibt nur ein Gas” Schilling und Nikki Görlitz.

Es gäbe noch viel zu erzählen. Von erfolgreichen Debuts im Bikejöring (Jessi und Edelmix Nanook). Vom teilnahmestarken Kinderrennen. Ich musste voran laufen und ganz ehrlich: danach war ich erstmal platt. Von den Highlights des Musherabends. Die passen nicht alle auf ein A4-Blatt. Jedenfalls: danke an die zwei Alleinunterhalter (das klingt wie »Die drei lustigen Zwei«): genau so muss man mit den Sportfreunden Stiller umgehen! Da wird Brotzeit zum Abenteuer. Ach ja, Kässpatzn gibt es nur auf hartnäckige Anfrage, und die rentiert sich! Und die Tombola war definitiv auch eine Reise wert. Am Sonntag waren sehr viele Zuschauer vor Ort. Um bei den Augsburger einen Event zu etablieren ziehen nunmal ein paar Jahre ins Land, das ist ganz normal.

Vielen Dank an Petra, an Marco, Rainer, Rocco und all die Helfer, welche diese Veranstaltung verantworten. Ihr leistet Großes. Nächstes Jahr ja leider nicht, da müssen andere ran. Die Pause habt ihr Euch ja auch verdient.

Viele weitere Fotos zum Event findet ihr hier! Mein Dank für die schönen Bilder geht nach Hip, an Sabine, Jessi, Magdalena und fellwexel.de !

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Möhrchen will heim.

10 Kommentare »

  • Sascha sagt:

    Sauberle!

    Schön geschrieben!

    Freu mich auch schon auf die nächsten beiden Wochenenden!

    Hab mich gestern für Reisenbach angemeldet!

    Bis zum WE….

    Grüßle Sascha

  • Tina sagt:

    Schön war’s wieder!
    Gratulation an die Organisatoren und Teilnehmer!

  • Nikki sagt:

    Hallo!

    Super Bericht, sehr zutreffend beschrieben.

    LG

    die Leiche im Ziel

  • Turbo Rainer sagt:

    Du bist mal wieder unschlagbar gewesen. Sowohl als Läufer als auch als Schreiber.
    Und für den Bayerncup gratulier ich dir schon mal im voraus du Champ der 2 HS.
    Aber trotzdem sehen wir uns in Lauf und sollte mein Bein einigermaßen halten, wer weiss…….ich könnte ja mal einfach ne 15er Zeit laufen,sowie 2007. Jaja damals…..Wo warst du eigentlich damals???
    Bis Samstag Bernd, ich freu mich wirklich sehr!
    Rainer Weber und Sam
    (Turbo Rainer)

  • bernd sagt:

    hey rainer,
    eine 15er zeit auf 4,8 km? ja bist narrisch? ich habe gute 18 angepeilt :-/
    2007 habe ich meine alten rekorde im 6-std- und 100-km-lauf pulverisiert. ich war also eher ein diesel-bernd (langsam und beständig) :)
    freue mich auf ein wiedersehen, auf sehr bald!

    hey tarzan-sascha! gut, dass dir beim extremeliamenjumping nichts passiert ist und du die 3er-serie durchziehst! wir sehen uns!

    lg

    bernd.

  • Sabine u Bertram sagt:

    Scherneck war wieder spitze! Wir hatten viel Spaß beim Zusehen und auch wieder beim Lesen Deines Berichtes. Herzliche Grüße an Euch beide und natürlich auch an die Hunde :)
    Viel Erfolg an den beiden nächsten Wochenenden, wenigstens ist das Wetter passender.
    Sabine und Bertram

  • Dani sagt:

    Herzlichen Glückwunsch nochmal Bernd und gern geschehn mit den Bildern, schön, dass ein paar was geworden sind. Ich drücke alle Daumen für die nächsten Läufe!

  • Alberto sagt:

    Hi Jungs ! freu mich auf euch , hoff ich kann mitmischen grins. Reisenbach wird wieder ne Hammer Sache mit dem Jagdstart! also bleibt fit und gesund euer Alberto und Carmacks

  • bernd sagt:

    vielen dank! und hier geht´s weiter mit dem bericht aus lauf:
    http://www.dhyanarecords.com/?p=1582
    alberto: wir haben uns schonmal gut warm gelaufen und freuen uns auf dich! ich soll dir schöne grüße von herbert (ich hoffe, ich habe mir den namen richtig gemerkt?!) bestellen, den wir in lauf kennengelernt und der nach dir gefragt hat – es ist der junge mann in der mitte:
    http://www.dhyanarecords.com/wp-content/uploads/2010/11/fuer_alberto.jpg

  • Marina sagt:

    eben erst deinen Beitrag online entdeckt…
    auch, wenn schon ein paar Monate ins Land gegangen sind:

    ganz, ganz liebe Grüße
    an die Münchner Truppe von einer alten Bekannten aus dem dogforum (“bungee”) … an Tina, Nikki und Jessi ;-) !!

    tolle Bülder!!!

    Wer ist eigentlich der Hund des Läufers mit der Nr. 50? sieht meiner Bungee extrem ähnlich :-)

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